Norwegische Sagen
Edvard Grieg: „Peer Gynt, Suite 1", 1875
Wenn Flöten dem Vogel unter den Federn flirren
Seine Flügel beim Zwitschern den Morgen wecken
Und er im Wind einer Oboe den Schwarm anstimmt:
Dann steigt die Sonne über dichtes Waldlichtweben
Und ich wähne dich fern · hoch oben in den Bergen
Höre Himmelsmusik · die es gar nicht geben kann.
Wenn dunkeltonige Streicher Bildschöpfer werden
Die Rätsel sich zur Beute der Leisheit küren
Dann finde ich zurück in vergangene Kindheitstage
In die Zeit von Großmutters Märchen und Sagen
Mit ihren von Falten zerklüfteten Stirnkleidern
Beschirmte sie mich · vor anderer Kinder Schikanen.
Wenn das silberhelle Wispern im Triangelbeben
Mir Bote ist · mit Liebesschwüren auf Taubenspuren
Dann entführen mich die orientalischen Tänzer
Zu dir: Du fauchst durch die blassen Spiegel
Prinz vom verglühten Stern · der mich betörte ·
Bin ich du · bist du ich · im irrlichternden Tanz?
Unter ahnungsschweren Kontrabässen · stürzen wir
Immer tiefer · in des Bergkönigs finstere Halle ·
Entrinnen seinem fagottischen Weihetum · und
Blendwerk und Gaukelei · bis alles zusammenfällt:
Die Spiegel · der Raum · die zauberischen Trolle
Wir sind befreit · erlöst aus magischem Wahn.